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Techniken

Shutô – uke Einordnung

Shutô ist die japanische Bezeichnung für die Schwerthand. Der Begriff Uke ordnet diese Technik den Uke – waza zu, der Gruppe sämtlicher Abwehrtechniken.

Zur Einordnung seien hier die wesentlichen Gliederungen der großen Gruppe der Uke – waza genannt: zunächst ist zu unterscheiden in Abwehrtechniken mit Hand und Arm, Te – ude uke waza, und Beinabwehrtechniken, Ashi – uke. Natürlich ist Shutô – uke in den Bereich der Te – ude uke waza einzuordnen. Die Hand- und Armabwehrtechniken wiederum sind systematisch zu untergliedern in Einhandblocks, Sekiwan – uke und Zweihandblocks, Ryôwan – uke. Die Systematik der Einhandblocks untergliedert dann weiter: Abwehren von unten nach oben (Jôhô – uke), Abwehren von oben nach unten (Otoshi – uke), Abwehren von außen nach innen (Naihô – uke) und schließlich Abwehren von innen nach außen (Gaihô – uke), zu denen Shutô – uke gehört. Dies beschreibt die verbreitetsten Ausführungen; als Ausnahme muss hier Soto shutô – uke genannt werden, der von außen nach innen ausgeführt wird.

Shutô – uke wird, in Abweichung von der heute verbreitet und fast ausschließlich unterrichteten Grundschulform (Kake shutô – uke in der Chûdan- Stufe), im Ursprung in mehreren Formen ausgeführt:

1. Stellung der Hand
a. Senkrechte Hand – Tate shutô – uke b. Schwerthand – Kake shutô – uke

2. Aktionszone
a. Jôdan shutô – uke b. Chûdan shutô – uke c. Gedan shutô – uke
Als Sonderfall sei hier noch die Pressabwehr mit der Handkante erwähnt, Osae shutô – uke.

Schon allein aus dieser Einordnung wird klar, dass Shutô – uke einen sehr komplexen und nach Zone und Wirkmechanismus vielfältigen Anwendungskanon darstellt. Im Kapitel Anwendung werden wir darstellen, dass eine differenzierte Analyse der Bewegungsabläufe erheblich weitergehende Interpretationen eröffnet.

Ausführung
Beim Kake shutô – uke wird die schlagende Hand von der Höhe des gegenüberliegenden Ohres diagonal vorwärts nach unten geführt. Sie überkreuzt dabei die zurückgehende Hand. Diese wird zur Körpermitte unter der schlagenden Hand hindurch zurückgezogen und kommt vor dem Solarplexus zur Ruhe. Sie ist damit in einer hervorragenden Ausgangsposition für einen Gegenangriff, ausgeführt z. B. als Gyaku – zuki oder als weiteren Shutô – uke, dann verbunden mit einem kiri kaeshi (Beinwechsel). In der Endstellung formen Ober- und Unterarm im Ellbogen einen rechten Winkel. Der schlagende Arm darf nicht weit ausholen. Bei Erreichen der Endstellung müssen insbesondere Schulter- und Achselmuskulatur ein starkes Kîme erreichen.

Die Technik erhält ihre Kraft auf den ersten Blick aus der schnellen und einrastenden Bewegung des Unterarmes. Wie bei allen Karatetechniken ist die zerstörende Kraft nur aus einer Ganzkörperbewegung zu gewinnen. Die Armbewegung soll mit möglichst hoher Geschwindigkeit ausgeführt werden. Verbunden mit dem Einsenken in einen tiefen, erdebasierten Stand, wird mit hartem Endkîme getroffen. Großes Augenmerk muss auf die zurückziehende Hand (Hiki – te) gerichtet werden, die sehr wichtig für die Erzielung großer Kraft in der Schlaghand ist. Die Technik erfordert lange übung, intensives Training gegen widerstandbietende Gegenstände und die Entwicklung hoher Geschwindigkeit und Endspannung. Sie entfaltet dann eine kaum zu stoppende, zerstörende Kraft.

Zur Verdeutlichung der Möglichkeiten von Shutô – uke sei hier der Karatemeister ôyama, Matsutatsu (1923 – 1994) erwähnt, der nach umfangreichen übungen in anderen Kampfstilen (er erreichte immerhin hierbei im Judo den 4. DAN) sein Karatetraining bei Funakoshi, Gichin begann und später zum Gôjû – ryû wechselte. ôyama perfektionierte Shutô – uke soweit, dass er Kämpfe gegen Stiere bestritt und gewann. Er schlug den Stieren (Gewicht 500 – 650 kg) zunächst mit Shutô – uke die Hörner ab und tötete viele von Ihnen mit einem Zuki zwischen die Augen. Er kämpfte auf diese Weise im Laufe seines Lebens gegen etwa 4 Dutzend dieser Tiere und siegte immer.

Anwendungen
Die Analyse des Bewegungsablaufes und die Interpretation von Shutô – uke in den Kata lässt weitergehende Anwendungen über Uke – waza hinaus nahezu zwingend erscheinen. Es sei hier darauf hingewiesen, dass „Uke“ hierzulande fast ausschließlich als „Block“ übersetzt wird. Es hat im Japanischen aber die weitergehende Bedeutung von Verteidigung. Verteidigen kann man sich auch mit einem Angriff. Die Interpretation aller Uke – waza als Block gegen einen Angriff greift nach unserer Meinung deutlich zu kurz.

Möglichkeiten der vorgehenden Hand
In der heute häufig gelehrten Funktion als Uke = Block leistet Shutô – uke natürlich auch gegen Arm- und Beintechniken seinen Dienst. Verfügt man aber nicht über die perfektionierte Form eines ôyama bei der Ausführung dieser Technik, will heißen, kann man den gegnerischen Angriff nicht durch Anwendung von Shutô – uke final beenden, so muss man sich fragen was man mit dem Abwehren der gegnerischen Angriffstechnik gewonnen hat. Erfolg ist beim reinen Blocken nur zu erwarten, wenn die Abwehr in den Ansatz des gegnerischen Angriffs gelandet und dann so stark vorgetragen werden kann, dass eine Fortsetzung des Angriffes für den Angreifer unmöglich wird. Hat der Angriff seine volle Dynamik entfaltet sind Block und Konter in der Regel zum Scheitern verurteilt. Hier hat die vorgehende Hand andere Möglichkeiten. Sie kann den gegnerischen Angriff zerstören. Es ist gar nicht so wichtig eine exakte Abwehr zu platzieren. Shutô – uke breitet eine Schutzschirm vor uns aus, der, gut ausgeführt, alles zerstört, zumindest stört, was ihm auf seinem Weg begegnet. Es sei aber noch einmal bemerkt, dass man so nur Zeit gewonnen und sich eventuell geschützt hat. Einen Fortschritt im Hinblick auf Beendigung der Auseinandersetzung hat man so nicht erzielt.

Darüber hinaus ist Shutô – uke eine hervorragende Angriffstechnik. über alle Stufen sind Angriffe gegen Schläfe, Hals, Kehlkopf, Schlüsselbein, Rippen, Solarplexus ... gut zu platzieren.

Möglichkeiten der zurückgehenden Hand
In der Interpretation als Block wird die hintere Hand häufig als Wächter unserer Deckung gesehen oder als Ausholbewegung. Allerdings: in der üblichen, kihon – gemäßen Ausführung hat sie weniger eine schützende, denn ein lauernde Position. Sie wartet auf eine Aktion, geöffnet zum Greifen, vorgespannt als Schlag (Nukite). Diese Funktion ist durchaus sinnvoll. Bei der Ausführung aus Kokutsu – dachi ergibt sich die Möglichkeit eines kraftvollen Hüfteinsatzes bei der Ausführung eines Gyaku – Zuki. Des Weiteren ist die Angriffsfläche für den Gegner durch die seitliche Stellung klein und der Gegner wird durch die vordere Hand auf Distanz gehalten, die sich im übrigen auch in guter Ausgangslage für einen Kizami – Zuki befindet. Diese Stellung bietet auch eine gute Position für einen Tritt mit dem vorderen Bein. Und dann kann diese Hand auf dem Weg zu unserem Solarplexus auch einen ergriffenen Körperteil mit nach hinten nehmen. Ein Handgelenk z. B. oder, nach besser, den Knöchel eines Beines als Reaktion auf einen gegnerischen Tritt. Führen wir hierbei Kokutsu – dachi diagonal nach hinten aus bringen wir den Gegner in eine sehr nachteilige Position.

Möglichkeiten aus dem Zusammenspiel beider Hände
Ein Fassen des Gegners (z. B. einer Hand) und gleichzeitiges, kraftvolles Zurückgleiten in Kokutsu – dachi, Shutô – uke bietet die Möglichkeit, durch Ziehen mit der zurückgehenden Hand das Gleichgewicht des Gegners zu brechen und ihn in der optimalen Distanz für den mit dem vorderen Arm ausgeführten Shutô – uke zu halten. Somit ist ein kraftvoller Angriff etwa auf Kopf, Hals oder Schlüsselbein möglich. In dieser Anwendung stellt Shutô – uke auch eine gute Technik für Auseinandersetzungen in der Nahdistanz dar. Dies funktioniert beidseitig.

· Gleichseitiges Fassen des gegnerischen Armes: durch Zurückgleiten in Kokutsu – dachi und Ausführung von Shutô – uke wird der ergriffene Arm des Gegners von der zurückgehenden Hand geführt und mit der Schwerthand ein Schlag gegen Kopf oder Hals des Gegners geführt. Die durch die Zugbewegung hervorgerufene instabile Gleichgewichtslage und Drehbewegung des Körpers des Gegners erschwert ihm das Ausführen einer kraftvollen Technik mit der freien, hinteren Hand oder eines Trittes. Die enge Distanz erschwert einen Tritt zusätzlich.

· Kreuzseitiges Fassen des gegnerischen Armes: hierdurch wird der Gegner in eine noch nachteiligere Lage gebracht als beim vorher betrachteten Fall. Das Zurückziehen des gegnerischen Armes beim Zurückgleiten in Kokutsu – dachi mit der zurückgehenden Hand bringt uns in den Rücken des Gegners. Auch hier ist der Einsatz einer Arm- oder Fußtechnik für ihn sehr schwierig. Gleichzeitig ist sein uns zugewandter Arm fixiert und kann weder zum Blocken noch zum Angreifen eingesetzt werden. Ist der Gegner unserer Rückwärtsbewegung durch einen Schritt nach vorne gefolgt haben wir zudem die Möglichkeit, beim „Durchziehen“ des Shutô – uke den Gegner über unser vorderes Bein, das sich dann hinter seinem Stand befindet, zu werfen. Lassen wir den ergriffenen Arm fixiert so ist ein Brechen des gegnerischen Armes über unsere Hüfte in seinem Fall möglich.

· Der Gegner hat unsere Hand gefasst: Auch hier sind die beiden vorgenannten Möglichkeiten gegeben. Lässt der Gegner los könne wir eine Befreiung aus seinem Griff erreichen und sind in einer guten Position für einen Konter. Lässt er nicht los sind die beiden vorgenannten Abläufe direkt übertragbar.

Diese kurze Betrachtung zeigt, welch vielfältige Möglichkeiten diese Technik über die gemeinhin übliche Interpretation als Block hinaus bietet. Sie hat ein gutes Potenzial für Anwendungen im Bereich der Selbstverteidigung. Voraussetzung ist eine wohltrainierte Technik, gute Körperspannung und ein gutes Distanzgefühl. All dies muss für eine erfolgreiche Arbeit mit Shutô – uke gut trainiert sein.

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